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Informationen rund um den Obus – informations about trolleybuses

Reiseberichte 

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2.Bulgarien-Besuch: Sofia u.a. vom 9.10. bis 13.10.17

 

Nachdem im vergangenen Jahr die erste Bulgarien-Erkundung von Varna aus startete (siehe Reisebericht 866: http://obus269rb.bplaced.net/s866RbBg.pdf), stand nun ein Flug nach Sofia auf dem Programm, um von hier einige Betriebe zu besuchen, unter anderem auch Pleven, wo es mir letztes Jahr gut gefallen hat.

Der Flug startete mittags ab Köln-Bonn, um 15:30 Uhr Ortszeit kam ich am Terminal2 des Flughafens in Sofia an. Von hier startete eine Metrolinie in die Innenstadt. Leider aus Zeitgründen hatte ich mich mangelhaft vorbereitet, so dass ich mich auf Erinnerung von der Innenstadt-Metrohaltestelle „Serdika“ zu Fuß startete, entlang den Straßenbahnlinien 4, 12 und 18. Auf Linie 12 sah ich einen ehemaligen Baseler Gelenkwagen mit Niederflurmittelteil, die erst kürzlich von Basel nach Sofia gingen. Ich fand jedoch das gebuchte Hotel auf Anhieb, es lag bei den Trolleybuslinien 6 und 7 in der Nähe der Kreuzung mit den Straßenbahnlinien 4, 12 und 18. Nach Einschecken des Hotels befuhr ich die Trolleybuslinien 6 und 7 komplett, sie haben eine gemeinsame Endhaltestelle in einem Wohnbezirk im Westen, befahren jedoch hierhin unterschiedliche Strecken.

 

Am Dienstagmorgen erkundete ich weitere Trolleybuslinien. Bis zur Endhaltestelle der Linie 11 ging ich die 500m zu Fuß, da aber der nächstste Trolleybus der Linie 11 erst 12 Minuten später laut Haltestellen-Echtzeitanzeige fahren sollte, ging ich weiter entlang der Linie 11 bis zur Universität und zur Kreuzung an der Metro-Station „Sofia University St. Kliment Ohridski“ Hier passieren bis auf die Linien 6 und 7 sowie der Linie 9 alle Trolleybuslinien (1, 2, 4, 5, 8, 11). Die Ampelanlage der Kreuzung wird zeitweise per Hand gesteuert, daher gibt es oft sehr lange Rot-Phasen für den Querverkehr, die Achse in die Stadt wird bevorzugt grün geschaltet.

Mit der Trolleybuslinie 1 ging es zum Bahnhof, von hier startete ich nach Wraza. Wie vorab im Forum zu lesen, fand ich in der Innenstadt keinen Trolleybuseinsatz vor. 12m-Dieselbusse bedienten die Linie 4, auf der Linie 17 kamen nur Kleinbusse zum Einsatz. Leider war ich auch hier schlecht  unvorbereitet, so dass ich nur aus der Erinnerung des vor einiger Zeit studierten Netzplans in die richtige Richtung zum Depot ging, dass ich dann nach einigen Kilometern Fußweg auch fand.

Das Depotgelände konnte ich ungehindert betreten, ein ZIU-Trolleybus (105) von der Linie 41, die als einzige Linie verkürzt mit  Trolleybussen bedient wurde, rückte gerade ein. Der Fahrer vom 105 verstand mich jedoch nicht, er ermöglichte mir eine kurze Rundfahrt auf dem Depotgelände, denn ein älterer Techniker musste am Schaltwerk des Wagens etwas kontrollieren. Danach bot er mir eine Nuss an und vermittelte mich mit dem Meister, der aber auch kaum englisch konnte. Schließlich brachte mich der Fahrer zur benachbarten Haltestelle und ich fuhr zurück mit  einem Kleinbus der Linie 17 in die Innenstadt. Bei besserer Vorbereitung hätte ich sicherlich noch den einen Trolleybus (es fehlte Wagen 109 im Depot)  suchen können, der nachmittags noch auf der Linie 41 eingesetzt war. 

Um 15:16 Uhr nahm ich den Zug zurück nach Sofia, dort traf ich um 17 Uhr ein. Mit der Straßenbahnlinie 7 fuhr ich bis zur Endhaltestelle, auf dieser Linie kommen die jüngsten Niederflurstraßenbahnen zum Einsatz und die Strecke war zur Endhaltestelle schnellbahnmäßig ausgebaut. Erst auf dem Rückweg fand ich die Fahrleitung der Trolleybuslinie 2, die wegen Metrobau eine andere Streckenführung durch die enge Straße erhielt und nicht wie im Plan verzeichnet parallel zur Straßenbahnlinie 7 verlief. Die Trolleybuslinie 2  musste mehrere Baustellen umrunden, die neue (dritte) Metrolinie soll mit 12 neuen Stationen auf einer Länge von knapp 12 km bis 2019 in Betrieb gehen. Das Projekt wird von der EU gefördert: https://europa.eu/investeu/projects/sofia-metro-line-3_de

 

Im Verlauf der Trolleybuslinie 2 wird auch eine unterirdische Haltestelle angefahren. Es handelt sich  um die Straßenunterführung unterhalb der Parkanlagen vor dem Nationalen Kulturpalast, an der Haltestelle kann auch in die Metrolinie umgestiegen werden. Straßenbahngleise waren auch verlegt,  jedoch  war diese offenbar eingestellt und der Autoverkehr nutzte den asphaltierten Gleisbereich.

Früh startete ich anderntags nach Pleven. Hier gab es Netzerweiterungen seit meinem Besuch im letzten Jahr: Die Linie 91 ersetzte die bisherige Linie 97, sie bedient die gleichen Endstationen, jedoch führt die Linie 91 über das Stadt-Krankenhaus Dr. "Georgi Stranski" LTD. Auf der Neubaustrecke zum Krankenhaus II der Universitätsklinik "Dr. Georgi Stranski" auf der ul. "General Vladimir Vazov" verkehrt eine neue Linie 31 im 20-Minuten-Takt. Die Autobuslinie 1 wird aber weiterhin von weißen Dieselbussen im 30-Minuten-Takt bedient. Die ehemalige Trolleybuslinie 3 wird nun als Linie 33 in das Wohngebiet Kaylaka verlängert, sie verkehrt weiterhin  alle 10 Minuten. Die neue Linie 44 bedient die beiden Endhaltestellen der Linie 4, jedoch befährt sie in beiden Richtungen eine Verbindung zwischen der Endstation Kaylaka (Brücke) und der Linie 5 nach Druzhba. 

Im neuen Depot Druzhba II befanden sich bereits weniger ZiU682, an anderer Stelle wurde berichtet, dass ein Verkauf der Wagen erfolgte, vermutlich zur Verschrottung. 14 neue Solaris-Trolleybusse sind bestellt, um die letzten ZiU 682 abzulösen, in der Hauptverkehrszeit nachmittags konnte ich neun ZiU682 sichten. Tagsüber war an der Endhaltestelle Kaylaka (Brücke) ein Wagen abgestellt. Ansonsten befanden sie sich im Depot in Bahnhofsnähe, welches ich aber diesmal nicht besuchte.

 

In den ersten Tagen in Sofia sah ich nicht einen der acht ehemaligen Gräf& Stift-Gelenkobusse, die 2006 hier übernommen wurden und am 11.12.2006 der Öffentlichkeit in ihrer neuen blauen Lackierung präsentiert wurden. So ging ich auf die Suche nach den fast 30-jährigen Gelenkwagen und fuhr am Donnerstag morgen mit der Linie 11 ins Depot Iskar hinaus.  Das Depot befindet sich an der Endschleife der  rund 11 km langen Trolleybuslinie 11. Auf dem Depotgelände wurde gerade der 1806 aus der Lackiererei in die Werkstatt geschleppt, weitere fünf Wagen waren am Depotrand abgestellt. Ich erhielt Auskunft von einem jungen Mitarbeiter,  der etwas englisch konnte, nachdem die Genehmigung des Depotchefs und des Werkstattchefs eingeholt wurde. Er erklärte mir, dass die Gräf&Stift, hier bezeichnet als „MAN“ weiterhin im Einsatz stehen. Er erkundigte sich und sagte, dass einer der Wagen auf der Linie 11 ab 11:53 Uhr eingesetzt würde. Probleme gäbe es mit der Thyristor- Steuerung, insbesondere wegen Wassereinbruch fallen diese Bauteile häufig aus.

Auf dem Rückweg in die Innenstadt stieg ich in der Nähe der Adlerbrücke auf dem Boulevard "Tsarigradsko shose" aus. Die rund 3 km lange Busspuren auf dieser mehrspurigen Ausfallstraße werden mit  fast 70 km/h befahren. Die Kilometerleistung im Solaris- Solowagen 1626 betrug 373.155 km, die von Sep. 2010 bis heute (rund 7 Jahre)  geleistet wurden, somit ergibt sich eine jährliche Laufleistung von rund 53.000 km.

 

Die Aussage des Werkstatt-Mitarbeiters erfüllte sich und ich konnte den eingesetzten Gräf&Stift 1805 mittags an der Endhaltestelle der Linie 11 am Kreisverkehr Ploshtad Stochna Gara sichten und ein Stück mit ihm fahren. Nächstes Jahr werden die Wagen 30 Jahre alt, sie gingen zur Eröffnung des (zweiten) Obusbetriebs in Innsbruck am 17.12.1988 in Betrieb. 

Die Ikarus-Gelenktrolleybusse sind teilweise noch älter, die 33 Wagen, die ich sichten konnte, sind im Depot Nadejda in der Nähe vom Bahnhof beheimatet. Hier ist auch ein Solowagen der drei Prototypen Cobra-Tramkar GD-272, basierend auf das Busmodell des türkischer Busherstellers Guleryuz die 2003/2005 beschafft wurden, beheimatet. Sie erhielten die Nr. 2002-2004, den Wagen 2002 konnte am Mittwoch und Donnerstag im Einsatz auf der Linie 6 sichten.

Der Einsatz auf den Trolleybuslinien in Sofia:

Linie 1, 6, 7 und 9 mit Gelenkwagen, bedient vom Depot Nadejda

Linie 2: Gelenkwagen, Linie 4, 8, 11: Solowagen, Linie 5: Solo- und Gelenkwagen vom Depot Iskar

 

Mittags ging es nach Pasardschik. Nur 10 Trolleybusse besitzt der kleine Betrieb in dieser Stadt mit rund 69.000 Einwohner. Nur rund die Hälfte davon werden für die 6 Linien benötigt. Lediglich die Linien 1 und 1E werden regelmäßig befahren, die beiden Linien verkehrt zwischen dem Bahnhof der Stadt und der Innenstadt, dabei nimmt die 1E die kürzere Strecke von der Brücke über die Mariza und dem Dahnhof.  Der Bahnhof  an der Strecke von Sofia nach Plovdiv wurde mit einem pompösen Neubau einschließlich der gesamten Gleisanlage vor kurzem neu errichtet, das Umfeld passt absolut nicht dazu!

 

Mit einem neuen Fahrplan ab dem 11.09.2017 verkehrt die Linien 1/1E nun alle 15 Minuten, ab 18 Uhr alle 20 Minuten. Die Linie 2 bietet in der HVZ morgens und nachmittags je drei Fahrten. Die Linien 4 und 5 fahren weiterhin nur zwei- bzw. dreimal täglich, diese beiden Linien führen in ein Industriegebiet im Südosten des Stadtgebiets, die Strecke zweigt rund 500 m vor dem Bahnhof ab. Nachmittags starten die beiden Trolleybusse der Linie 4 und 5 zeitgleich um 17:10 Uhr von der Endhaltestelle im Industriegebiet.

 

Alle Linien starten in der Nähe des Depots auf der ulitsa "Petar Bonev" im Nordwesten der Stadt. Die Linien 1 und 5 durchfahren die Straßenzüge der Innenstadt, die Linien 2 und 4 nehmen den kürzeren direkten Weg westlich der Innenstadt zum Bahnhof bzw. zum Industriegebiet.

 

Mit dem neuen Fahrplan reduzierte sich der maximale tägliche Einsatz auf fünf Trolleybusse. Der Wagenpark besteht weiterhin aus 10 Wagen zuzüglich eines Fahrschulwagens vom Typ Skoda 14Tr, der zuvor als Wagen 14 von 1994 bis 2016 im Einsatz stand. Von 1982 bis 1994 verkehrte er als Wagen 132 in Zlin. Hinter dem ausfahrenden LAZ E183A1-Trolleybus 27 steht der Fahrschulwagen und Trolleybus 24 auf dem Depotgelände: 

 

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Der an Haltestellen aushängende Fahrplan weist noch für die Trolleybuslinien 1 und 1E bis zu fünfmal stündlich, somit zweitweise einen 10-Minuten-Verkehr aus. An einer anderen Haltestelle überlebte noch ein Fahrplan von Mai 2012. Damals verkehrte die Linie 1 im 12-Minuten-Takt, in der Hauptverkehrszeit von 6:30-8:00 Uhr und von 16:00-17:30 Uhr alle 10 Minuten, danach alle 15 Minuten.

 

Am Freitag morgen konnte ich zwei Gräf&Stift in Betrieb sichten, neben Wagen 1805 wieder auf der Linie 11 im Einsatz, stand Wagen 1808 im Einsatz auf der Linie 4 im Einsatz. Vom der Kreuzung an der Universität ging es dann mit der Metro zum Flughafen. Um 10:20 Uhr Ortszeit startete der Flug nach Köln, wo ich pünktlich landete und schon nachmittags zuhause war.

 

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